Bei uns am Familientisch – und was Jesper Juul damit zu tun hat

Ab einem bestimmten Alter der Kinder wird Essen zum großen Thema – bei einem früher, beim anderen später. Damit tauchen auch viele Grundsatzfragen auf, die man zuerst mit sich selbst und dem Partner klären muss: Wie oft wollen wir alle gemeinsam essen? Was verstehen wir unter Tischmanieren? Müssen alle das selbe essen, oder kann jeder nach Lust und Laune selbst entscheiden?

Bei uns war Oliver immer ein guter Esser und seit er ein halbes Jahr alt war auch voll in den Familientisch integriert. (Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.) Helena hat sich ein bisschen mehr Zeit gelassen, und immer noch isst sie wohl am liebsten Muttermilch. Aber angespornt durch ihren großen Bruder landet doch langsam mehr „richtiges“ Essen in ihrem Bauch, ich bin mir sicher, das wird bald noch mehr werden.

Familientisch

Die oben schon genannten Fragen und noch viele mehr haben wir uns also schon stellen müssen. Als ich kürzlich Jesper Juuls letztes Buch „Essen kommen: Familientisch – Familienglück„* zur Rezension bekommen habe, hab ich mich gleich mal in das Buch vergraben. Na gut, in Wahrheit hat es jetzt Monate gedauert, bis ich das Buch zu Ende gelesen habe – auch mein Tag hat nur 24h und abends im finsteren Schlafzimmer beim Einschlafstillen liest es sich schlecht (also so ein richtiges Buch :-)). Jedenfalls fand ich es so spannend die Gedanken eines Experten zu diesem Thema zu lesen, dass ich meine wichtigsten Erkenntnisse und Learnings heute mich euch teilen möchte!

Unsere Werte am Familientisch, und was Jesper Juul dazu sagt

Gemeinsam einkaufen und kochen

In diesem Punkt sind Herr Juul und ich uns einig: bezieht man Kinder von Anfang an ins Familienessen mit ein, also von der Planung über den Einkauf bis zum Kochen, werden sie offener für neue Lebensmittel und essen tendenziell mehr. Oliver hilft mir schon seit er stehen kann beim Kochen, zuerst hat er nur gerührt, Dinge zusammen geleert, mittlerweile schneidet er mit seinem eigenen (scharfen!) Messer* das Gemüse. Und ja, er hat sich schon in den Finger geschnitten, aber meine Meinung ist, dass Kinder es nur so lernen. Klar, es gibt Ausnahmen, und ich würde ihn keinen Finger abschneiden lassen, nur damit er lernt, dass Messer scharf sind. Aber ein kleiner Schnitt schadet nicht, und nun passt er besser auf und weiß, worauf er achten muss.

Auch beim Einkauf ist er immer mit dabei und darf sich etwas aussuchen. Meist ist das ein Stück Obst, Mango zum Beispiel, manchmal aber auch eine Kugel Mozzarella. Klar, er möchte auch mal Süßigkeiten, aber die gibt es einfach nicht. (Er darf sie essen, wir kaufen aber keine – sie finden leider sowieso ihren Weg zu uns. Mehr dazu aber gerne ein anderes Mal.)

Ein Tipp von Juul ist, dass man die Kinder Unterschiede schmecken lassen soll. Zwischen einer Tomate aus dem eigenen Garten und einer weit gereisten aus Spanien. Zwischen einem roten Paprika, einem gelben und einem grünen. Zwischen einer hochwertigen Schokolade und einer billigen im Sonderangebot. Man darf nicht erwarten, dass sie mit ihren paar Jahren schon ein Bewusstsein für Zutaten und Qualität entwickeln. Aber auf lange Sicht werden diese Sinneseindrücke wichtige Richtlinien in ihrem Leben.

Familientisch, Jesper Juul, Essen kommen

Gemeinsam Essen

Grundsätzlich würde ich gerne jede Mahlzeit gemeinsam einnehmen. Nachdem ich aber auch dafür bin, auf den eigenen Körper zu hören und nicht nach der Uhrzeit zu essen, gelingt das nicht immer. Manchmal haben einfach nicht alle gleichzeitig Hunger. Ich habe es aber gerne, wenn zumindestens zwei Personen gemeinsam bei Tisch sitzen. Auch, wenn einer „nur“ etwas trinkt (ist dieses etwas warm, darf man das dann Hygge nennen, auch das kommt im Buch vor :-)). Jedenfalls finde ich es schön, wenn gemeinsam gegessen wird. Ich denke auch, dass diese Tradition immer wichtiger wird, je älter die Kinder werden. Sie verbringen mit fortgeschrittenem Alter mehr Zeit weg als daheim, da finde ich gemeinsame Mahlzeiten eine gute Möglichkeit Zeit miteinander zu verbringen und sich auch zu unterhalten.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt

In BLW Tagen haben wir den Kindern einfach verschiedene Möglichkeiten geboten und sie durften selbst wählen. Mit fortschreitendem Alter wird das zunehmend schwieriger. Ich bin da noch flexibler als Max, bei dem wird gegessen, was eben auf den Tisch kommt. Bei mir dürfen die Kinder öfter selbst wählen, weil ich nach wie vor der Meinung bin sie wissen am besten, was ihr Körper gerade braucht. Das dürfen dann aber keine Gummibären sein (die wir ohnehin nicht daheim haben :-)), oder auch nicht zu jeder Mahlzeit ein Honigbrot, nur weil es süß ist. Aber ich stelle verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, die alle für mich in Ordnung sind, und aus denen können sie dann wählen. Leider koche ich ziemlich oft für mich alleine. Der Mann will etwas mehr Fleisch und die Kinder irgendwie ganz oft nur Grundzutaten. Clean Eating vom Feinsten sozusagen.

Mit dem Essen spielt man nicht und andere Tischmanieren

Bei uns darf in gewissen Maßen mit dem Essen gespielt werden – aber natürlich hat das Grenzen. Zum Beispiel darf auch mal in den Strohhalm hinein geblasen werden, weil bei Milch da so tolle Blasen entstehen, bei Wasser jedoch nicht. Wie sollen Kinder so etwas sonst lernen? Das Glas muss dabei allerdings fast ausgetrunken sein, damit nichts (oder wenig) verschüttet wird.

„Die Mahlzeit ist nicht der richtige Ort, seine Kinder oder andere Familienmitglieder zu erziehen.“

Juul meint, wenn bei Tisch gemaßregelt wird vergeht einem automatisch der Appetit. Sätze wie:

Du bist aber brav, du hast alles aufgegessen!
Was ist denn los mit dir? Du magst ja gar nichts?
Probier mal, es schmeckt gut, das wirst du mögen!
Iss ordentlich!
Bist du bald fertig?

So etwas sollte man nicht sagen, damit den Kindern nicht von vornherein suggeriert wird etwas falsch zu machen. Laut Juul sollte man dem Kind mit Interesse begegnen und klare, persönliche Aussagen machen. Zum Beispiel: „Ich möchte gerne, dass du das Essen mal probierst. Ich selbst mag Blumenkohl total gerne und würde mich freuen, wenn du ihn auch magst“.

Wir machen das in manchen Fällen also (laut Juul) ganz gut, so sagen wir zum Beispiel nicht (oft): „Sprich nicht mit vollem Mund“ – wir tun so, als würden wir nichts verstehen, wenn er etwas mit vollem Mund sagt. Ich hab ihm das so erklärt und er akzeptiert es eigentlich gut. Wir müssen uns nur sehr oft selbst an der Nase nehmen, man spricht nämlich öfter mit vollem Mund als man denkt. (Jedenfalls wir!)

Familientisch, Jesper Juul, Essen kommen

Jeder bleibt sitzen, bis alle gegessen haben

Das wäre eigentlich immer mein Vorhaben gewesen, ebenso wie das nur bei Tisch gegessen wird. Tja, was soll ich sagen, dann wird man Mama und alles ist anders. Unsere Kinder sind ohnehin toll, sie bleiben sicher länger sitzen als manch andere. Aber sie haben nun mal Hummeln im Hintern und ich möchte mein Essen nicht inhalieren müssen. Also dürfen sie vor uns aufstehen und spielen. (Und auch abseits vom Tisch essen, wobei ich das noch beschränke – nicht alles, nicht immer und nicht überall, je nach Situation.)

Hilfe, mein Kind isst nichts / immer nur das Selbe / das Falsche / kein Gemüse

Laut Juul ist wählerisch sein anerzogen. Und in einem gewissen Maße stimme ich ihm da zu. Ich kenne leider einige Kinder, die von Breitagen an als wählerisch abgestempelt wurden. „Nein, das geb ich ihr gar nicht mehr, das isst sie nicht“ oder „Sie isst am liebsten xxx“ habe ich oft gehört. Leider stimmt auch hier: wie wir unser Kind benennen, so sieht es sich selbst und wird über kurz oder lang auch so.

„Haben Kinder das Alter erreicht, in dem sie etwas anderes als Brei zu sich nehmen können, dann ist es sinnvoll, wenn das Essen auf ihrem Teller dem der Erwachsenen gleicht.“

Oliver isst grundsätzlich viel und alles, Helena weniger und ausgewählter. Da muss ich mich schon auch oft zurück halten, wenn jemand fragt, ob sie eine gute Esserin ist. Sie isst einfach anders, als es Oliver macht. So wie ich anders esse, als es mein Mann macht. Bei uns muss keiner, jeder soll probieren (muss aber auch das nicht) und wenn man keinen Hunger hat oder etwas nicht mag, dann ist das ok. Jeder kennt seinen eigenen Körper am Besten, auch ganz kleine Kinder!

Gewinnspiel

Was mir besonders gut am Buch gefällt ist, dass Juul auch Rezepte in das Buch gemixt hat. Das finde ich erfrischend und regt Familien, bei denen vielleicht bisher nicht so viel selbst gekocht wurde, dazu an es zu versuchen.

So ist das also bei uns am Familientisch! Und bei euch? Das würde mich jetzt interessieren! Unter allen Kommentaren verlose ich außerdem mein Rezensionsexemplar – also verratet mir schnell, welche Regeln bei euch bei Tisch gelten und wie eure Kinder so essen. Am 05.02. lose ich aus! > Gewonnen hat Kathi, gratuliere! Du solltest ein Mail haben!

Teilnahmebedingungen
Teilnahmeberechtigt sind natürliche Personen ab einem Alter von 18 Jahren mit einem Wohnsitz in Österreich, Deutschland oder der Schweiz. Wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist, brauchst du das Einverständnis deiner Eltern um teilnehmen zu können. Die Gewinner werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Gewinnspiel endet am 05.02.2018.

Die Gewinner werden in einem Artikel hier am Blog bekanntgegeben und per Mail verständigt. Wenn du innerhalb von 3 Tagen kein E-Mail bekommen hast, schreib mir bitte ein kurzes Mail an Ulrike[at]fitundgluecklich.net. Sollte es nicht möglich sein, mit dem Gewinner innerhalb von 2 Tagen Kontakt aufzunehmen, wird ein neuer Gewinner ausgelost.

unterschrift

*Affiliate Link – bestellt ihr über diesen Link, bekomme ich eine kleine Provision gutgeschrieben, von der ich die Technik dieses Blogs bezahle (Webhosting etc.). Ihr bezahlt dadurch selbstverständlich nicht mehr (und wenn ihr die Produkte in einem Geschäft ums Eck findet, kauft sie bitte dort!)

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hoffe ich darf teilnehmen, obwohl wir noch keine Kinder haben ;) Aber ich bin schwanger in der SSW20 mit Zwillingen und das Thema Ernährung und Essen ist mir sehr wichtig und macht mir viel Kopfzerbrechen. Ich möchte dass unsere Zwillinge ihr intuitives Essverhalten beibehalten – etwas dass ich ja leider völlig verloren habe. Das Buch würde mich daher sehr interessieren und ich hoffe SEEEEHR dass ich gewinne ;)

  2. Hallo Ulli. 😊
    Wir haben bei unserem Zwerg mit etwa 6 Monaten mit Blw gestartet (Karotten, Gurke, Apfel, Banane) haben dann aber etwas später eine Mischung aus Brei und Blw gemacht. Und ich seh das so wie du, mein Kleiner „soll“ kosten, muss aber nicht alles essen, wenn er es nicht mag oder es ihm nicht schmeckt. Letztens haben wir ihm Kohlsprossen serviert. Sicherheitshalber nur zwei Stück. Und er mochte es gar nicht. Und das ist für uns okay. Und ja, auch mein Plan war es, dass er so lange sitzen bleibt bis wir fertig sind. Da haben sir allerdings schon das Problem, dass sein Papa recht schnell isst und ich eher langsam, daher darf er, wenn er fertig ist, aufstehen und spielen. Und ja, weil ich weiß, dass er z.B Eintöpfe nicht sonderlich gerne mag, heb ich ihm immer die einzelnen Komponenten auf und so kann er das essen was ihm schmeckt, wenn er das andere nicht mag. Und ich koche oft Suppe (Rind oder Huhn) mit diversen Einlagen, weil ich weiß, dass er das gerne isst.
    Meine Meinung zum Thema heikel. Ich denke, da wir Niklas immer alles mögliche zum Essen angeboten haben, isst er von sich aus, sehr viele unterschiedliche Sachen und er ist auch sehr offen Neuem gegenüber auch wenn er oft nur wenig isst. 😊

  3. Hallo! Ein großes Thema bei uns, da wir 5 Kinder haben und die Sache mit dem Essen nicht nach unseren Vorstellungen funktioniert, aber vielleicht sind unsere Vorstellungen auch überzogenen? Deshalb hätte ich eine große Freude mit diesem Buch! Glg, Margot

  4. Hallo Ulli!

    Ich sehe das ähnlich wie du – alles kann, nichts muss.
    Bevor ich Kinder hatte, hab ich auch vieles strenger gesehen. So etwas wie im Restaurant den Kindern im vorbei rennen etwas in den Mund zu schieben fand ich unmöglich.

    Tja, was soll ich sagen…heute urteile ich über so etwas nicht mehr :D

    Ich hätte auch lieber, dass meine Kinder mehr von dem essen, das wir für uns Großen kochen, aber dem ist nur selten so. Mein Großer wünscht sich, wenn man ihn wählen lässt, fast immer Naschzeug oder Tomatensuppe, und der Kleine Muttermilch :D

    Das Buch würde mich sehr reizen, ich mag JJ sehr gerne!
    Lg Linda

  5. Hallo Ulli!
    Ich bin gerade in der 18.SSW und lese sehr gerne deine unterschiedlichen Artikel.
    Nur eine Frage: was ist Blw?
    Liebe Grüße aus Kärnten

    • Oh gratuliere!!! BLW heißt Baby Led Weaning, auf Deutsch oft Breifrei. Dabei gibt man nicht nach Plan Brei, sondern bietet verschiedenes Fingerfood an. Die Kinder lernen so verschiedene Texturen kennen, nicht nur das breiige, und sind langfristig angeblich offener für neues, essen mehr und ausgewogener… ist ein spannendes Konzept, ich fand es auch praktisch, kein Brei kochen, nicht immer extra was für die Kinder, sondern einfach das, was wir gegessen haben, nur die Zutaten eben in kindgerechter Form (und ohne Salz!). Lies dich mal ein wenns dich interessiert, ich hab eh hier am Blog ein paar Mal drüber geschrieben! lg Ulli

  6. Hallo!
    Wir haben zwei Buben. Der Kleine ist jetzt sieben Monate und kriegt seit neuestem morgens und mittags Brei vor oder nach dem Stillen. Am Abend isst er mit uns was von unserem Essen für ihn passt oder ein Stück Brot. Er isst alles mit Begeisterung, besonders wenn er es selbst in die Hand nehmen kann.
    Beim Großen, der jetzt 2,5 Jahre alt ist, ist das Ganze leider etwas verkrampft. Er hat mit Freude alles probiert und es hat ihm auch fast alles geschmeckt bis er 19 Monate alt war. Plötzlich hat er hat er zwei Wochen lang alles verweigert außer Milchprodukten und Brot. Nur in der Krippe hat er weiterhin fast alles gegessen. Gleichzeitig hat er Probleme mit Verstopfung gekriegt. Das Ganze ist immer schlimmer geworden, bis er im Sommer dann alles Obst und Gemüse komplett verweigert hat und in der Krippe auch nur noch Suppe und Süßes gegessen hat.
    Gegen seine mittlerweile chronische Verstopfung kriegt er Ballaststoffe in ein Getränk gemischt, weil sonst nichts mehr gehen würde. Süßes haben wir teilweise krampfhaft vermieden: die immer wieder trotz allen Bitten und Ermahnungen von den Omas bereitgestellten Mehlspeisen versteckt, allen Mitfrühstückern Marmelade verboten, geschenkte Süßigkeiten ausnahmslos versteckt, ihn vom Esstisch ferngehalten etc. Gleichzeitig haben wir versucht ihm alles Obst und Gemüse irgendwie schmackhaft zu machen und heimlich in Saucen u.a. zu mischen. Geholfen hat alles nichts und ich war mit der Situation nur noch überfordert, dauernd besorgt und unglücklich über den täglichen Konflikt beim Essen.
    Über die Weihnachtsfeiertage bei unseren Eltern haben wir unseren Widerstand gegen den Zucker schließlich aufgegeben. Der kleine Mann hat jeden Tag seine paar Kekse bekommen, zum Frühstück Marmeladebrot und so viele Palatschinken, wie er essen konnte. Das Tischgebet am Abend hat ihm gefallen und er hat gerne mit allen am Tisch gegessen.
    Also haben wir für uns beschlossen, dass es ab sofort Süßes hin und wieder gibt, so wie wir das eigentlich als normal empfinden. Ich koche viel seltener, statt dessen gibt es Jause, bei der jeder vom Angebot am Tisch wählen kann. Es gibt ein Tischgebet beim Abendessen. Es gibt absolut kein Handy und kein Spielzeug mehr bei egal welcher Mahlzeit. Wer mit dem Essen fertig ist, darf aufstehen und spielen gehen. Und wer beginnt, Essen zu werfen, absichtlich auszuschütten oder sich in der Suppe die Hände wäscht (o.ä. ;-) ), der muss aufstehen.
    Und wenn mein Kind nichts oder nur wenig essen will oder nur Wurst/Käse/Milch, dann muss ich damit fertig werden und nicht zu seinem Problem machen. Seine Verstopfung wird so schnell nicht verschwinden, also brauche ich mir auch hier nicht den Druck machen, dass ich das jetzt sofort irgendwie wegkochen kann oder die zusätzlichen Ballaststoffe gleich wieder los werde.
    Das Ergebnis ist, dass wir entspannter essen, keiner mehr auf den Kleinen einredet und er wieder ein bisschen probierfreudiger geworden ist. Seit zwei Wochen verlangt er von sich aus wieder nach Äpfeln. Gestern hat er eine Karotte und eine Tomate probiert. Er hat zwar alles ausgespuckt, aber so nahe ist er diesem Gemüse schon seit Monaten nicht mehr gekommen. Und den von Oma mitgebrachten Kuchen haben wir zu seinem großen Erstaunen dieses Mal auch nicht versteckt.
    Vermutlich hätten wir mit den Ratschlägen von Jesper Juul ein paar Probleme von Anfang an vermeiden können.

    • Puh na da habt ihr eine spannende Geschichte hinter euch… freut mich, dass es wieder besser läuft!! Manches lernt man einfach nur durch Ausprobieren gell :-) lg Ulli

  7. Liebe Ulli!

    Wirklich ein ganz, ganz toller Beitrag! Du sprichst mir dabei aus der Seele. Ich habe auch vor einiger Zeit darüber gebloggt ( http://www.ichmitkind.at/wir-sind-nicht-familientisch-kompatibel/ ). Der idyllische Familientisch klingt in der Theorie toll – in der Praxis sieht es aber auch hier ganz anders aus. Der Dreijährige hat eigentlich überhaupt keine Zeit und Lust irgendetwas zu essen. Deshalb erlauben wir ihm mittlerweile auch seine geliebten Autos oder ein Buch zum Tisch mitzunehmen. Außerdem steht er zwischendurch oft auf und streift durchs Wohnzimmer (Zitat: „Ich schau‘ nur schnell was!“)

    Eine Regel gibt’s aber: Gegessen wird nur am Tisch. Er kann den Esstisch verlassen, aber möchte er weiteressen, muss er wieder zum Tisch zurück kommen. Wenn er nicht aufgegessen hat, bleibt sein Teller übrigens auch noch am Tisch stehen, wenn unsere (leeren) Teller schon längst abgeräumt sind. So kann er sich noch ein paar Bissen holen, wenn er doch noch Hunger hat.

    Mein Kind hungrig ins Bett zu schicken, nur weil er den Esstisch verlassen hat, ist für mich ein absolutes No-Go! Leider gab’s damals bei meinem Blogbeitrag ein paar Kommentare, die ich persönlich sehr unschön fand. Aber: Jeder findet seinen Weg. Ich bevorzuge nun einmal eine sanfte Erziehung auf Augenhöhe, auch, wenn ich dadurch manchmal alleine am Tisch sitze! :)

    Liebe Grüße
    Christina

  8. Liebe Ulli,
    danke für deinen Beitrag! Unsere Kleine ist jetzt 2 Jahre alt, in Kürze erwarten wir ihren kleinen Bruder. Gestartet haben wir mit 6 Monaten mit Brei, dann bald BLW da sie selbstständiger und mit den Händen essen wollte. Einkaufen gehen wir gemeinsam, wobei ich das Thema Süßigkeiten so handhabe wie du – gibt es zuhause aber kaufen wir nicht. Um beim Kochen zusehen zu können, haben wir einen Lernstuhl gebastelt, der wird eigentlich ständig genutzt. Ich bin froh, dass sie eigentlich nicht heikel ist, allerdings ist das Thema sitzen bleiben beim Tisch zT schwierig. An manchen Tagen essen wir alle gemütlich zu dritt, an anderen ist sie so abgelenkt und unruhig, dass sie eigentlich kaum isst und dann hungrig zu Bett geht. Wir könnten also noch Tips gebrauchen :) liebe Grüße, Babsi & co.

  9. Ja der Esstisch …. im Moment versuche ich einen großen Spagat zu schaffen: ein 4-Jähriger der alles gaaanz grauslig findet, eine 10-Monate Kleine, die zwischen Brei und selbst essen schwankt, ein Mann der meistens erst spät Abends heim kommt und isst ….
    Aber ein paar Regeln habe ich jetzt auch schon gefunden: das Essen wird nicht mehr kommentiert, sondern man versucht erst ein paar Bissen. Meistens schmeckt’s dann doch. Ich koche mittags erst später und dafür gemeinsam mit Junior – dann hat er wirklich Hunger und isst lieber mit. Die Kleine isst etwas früher und dann mit uns gemeinsam noch eine Kleinigkeit. Es hat eben jeder ein anderes Hungergefühl – das hat mir sehr gut gefallen an deinem Eintrag. Trotzdem versuche ich, dass wir am Wochenende gemeinsam frühstücken und mittags essen – mit dem Papa :-) Aufstehen darf man, wenn man keinen Hunger mehr hat. Aber man darf jene, die noch essen nicht stören.
    Meiner Meinung nach, ist es schwierig, die wichtigsten Regeln vor allem bei den Großeltern durchzuhalten. Da musste ich jetzt schon vehemt einfordern, dass es vor dem Essen keine Süßigkeiten gibt und erst nach dem Essen zu spielen begonnen wird. Sonst findet man einfach keinen Weg zum Esstisch. Aber auch das beurteilen von „Gut / Brav aufgegessen“ etc. ist halt bei der älteren Generation noch weit verbreitet.
    Wäre sehr gespannt, was Jesper Juul da alles für Anregungen hat ….
    Danke

    • Ja das mit der älteren Generation ist echt ein Problem für mich, ich versuch es nicht so ernst zu nehmen und denk mir dann die Kinder lernen einfach manche machen es so, manche so. Und bei Oma gibts bei uns leider auch immer unbegrenzt süß, sie hat ihm das sonst heimlich gegeben (frag nicht…da bin ich ordentlich zusammen gekracht mit ihr!!). Ihm war schon oft ungut nachher, ich denke so lernt er einfach viel süß ist nicht gut für den Körper, aus erster Hand quasi. Hoffe halt das merkt er sich, bzw. hilft langfristig ihm auf seinen Körper gut zu hören. Alles Liebe, Ulli

  10. Die Kids frühstücken vor dem Kindergarten gemeinsam. Mein Mann und ich trinken währenddessen einen Kaffee oder Tee.
    Mittags wird im Kindergarten gegessen und am Wochenende ein gemeinsam ausgesuchtes Essen zusammen gegessen.
    Abends essen wir immer zusammen – der Papa manchmal etwas später. Aufstehen dürfen beide und wählerisch dürfen sie auch sein. Spielen lass ich immer mehr zu und es funktioniert super.

  11. Unsere Maus (8 Monate) probiert sich langsam durch das Menü… bei Tisch sind wir mind. zu Zweit. Sie gatscht ab und zu herum, das gehört für mich zum Kennenlernen.
    Alles andere wird die Zukunft zeigen wenn sie älter ist.

  12. die Kleinen sind jetzt schon ein bisschen größer – das heißt, essen ist teilweise einfach nur uncool! aber es wird jeden Tag gemeinsam am Tisch gegessen, da gibts auch kein Murren mehr. Und auch mit den Vorlieben ändert es sich jeden Tag. Schlecht Laune heißt auch, Essen schmeckt nicht. Lieblingessen Spaghetti wird am nächsten Tag verschmäht, weil Tomaten bäh sind. Woran das liegt? Nur an der Laune – Keine Ahnung. Viell. Meinungsmache von den coolen großen – ich habs noch nicht rausgefunden.

  13. Hallo Ulli,
    meine beiden Jungs sind echt gute Esser. Besser als der Papa. Bei uns am Tisch gelten als Tischmanieren, nicht rülpsen, nicht furzen, und alles wenigstens einmal probieren. Leider ist der schwierigste am Tisch der Papa. Der ist am Heikelsten. Der wurde aber auch nicht von mir erzogen. Ich koche daher viele Sachen, die er nicht mag, zum Mittagessen, da er da in der Arbeit ist. Daher essen die Kinder es dann auch brav.Abendessen gibt es dann gemeinsam. Die Kinder haben schon als Kleinkinder alles zum probieren bekommen. Zwiebel, Zitronen, Mehl. Alles wird probiert. Bei Mehl sage ich dann schon immer: Das schmeckt doch so nicht. Aber ich bekomme dann zu hören: Doch lecker! Ich würde mich sehr über das Buch freuen. Liebe Grüße Geli

  14. Hallo Ulli,
    das Buch würde ich gerne lesen ☺ Mein Großer ist 6 und hat seit geraumer Zeit eine ziemlich mäkelige Phase, was mir viel Geduld abverlangt. Bis dato hat er gut und so gut wie alles gegessen, deshalb wundert es mich so. Aber ich hoffe, dass auch das eine Phase ist, die irgendwann wieder vorbei ist. Wir bemühen uns, nun trotzdem nicht nur anzubieten, was er sicher ist, sondern ermutigen ihn trotzdem immer wieder anderes zu probieren. Er muss es dann nicht aufessen. Die Alternative ist im Zweifel bei uns ein Brot mit Butter (und Käse) oder eine Banane. Meine Tochter ist jetzt 16 Monate und hat sich auch lange Zeit gelassen mit dem Essen. Brei hat sie gar nicht akzeptiert, deshalb sind wir auch schnell beo BLW gelandet. Mittlerweile isst sie gut und am liebsten ganz alleine mit Löffel oder Gabel 😉
    Liebe Grüße & danke für deinen tollen Blog

    Katharina

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