Warum ein Kaiserschnitt nicht weniger Geburt ist

Ich hatte nun 2 Kaiserschnitte und beide Male hätte ich gerne per Spontangeburt entbunden. Das ist nun mal einfach die natürlichere Variante und es ranken sich so viele Mythen rund um den Kaiserschnitt, dass ich anfangs sehr abgeschreckt war: man kann dann nicht so gut stillen, die Bindung funktioniert nicht so gut und die Kinder sind öfter krank. Doch stimmt das wirklich?

Beim ersten Mal haben wir lange gewartet, 10 Tage nach Termin dann mit dem Einleiten angefangen und wirklich alles ausprobiert, was es so gibt (die genaue Story könnt ihr hier, hier und hier nachlesen – ja, es ist eine lange Geschichte, wie gesagt haben wir viel versucht, um einen Kaiserschnitt zu vermeiden). Am Ende war der Kaiserschnitt unausweichlich und im Endeffekt sicher die beste Wahl für mein Kind, welches glücklicherweise vollkommen gesund zur Welt kam.

Ich habe lange mit der Sache gehadert – sollte mein Körper nicht im Stande sein, ein Kind auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen? Wieso hat er keine Wehen ausgelöst bzw. die eingeleiteten Wehen den Muttermund nicht geöffnet? Die Antworten auf diese Fragen werde ich wohl nie erfahren. Eventuell ist die Form meiner Gebärmutter der Grund, sie ist laut Gynäkologin nämlich herzförmig, wenn sie sich komplett zurückgebildet hat. Oder aber es sind die Verwachsungen aufgrund der Endometriose, dem Polyp in der Gebärmutter und den damit verbundenen Operationen. Oder es ist etwas komplett anderes.

Als ich nun das zweite Mal schwanger war, habe ich natürlich wieder auf eine natürliche Geburt gehofft. Aber auch diesmal haben wir vergeblich gewartet, die Wehen kamen nicht. Schweren Herzens habe ich also an ET+9 den Kaiserschnitt geplant und stundenlang überlegt, ob ich nicht mit dem Spital nochmals reden soll, und wir eventuell noch über das Wochenende warten (bis ET+12). Verschiedene Gründe haben mich allerdings davon abgehalten, und gut war es, denn es stellte sich heraus, dass die Nabelschnur meiner Tochter 3x um ihren Hals gewickelt war. Sie war dadurch gar nicht erst ins Becken gerutscht, und ich bin meinem Körper und ihr ewig dankbar dafür – ich will gar nicht darüber nachdenken, was alles passieren hätte können. Diesmal war ich also wirklich wirklich froh über den Kaiserschnitt!

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Warum ein Kaiserschnitt nicht der „einfachere“ Weg ist

Viele Frauen entscheiden sich heutzutage für einen Wunschkaiserschnitt. Aus den verschiedensten Gründen. Manche kann ich gut nachvollziehen, vor allem natürlich die medizinischen, aber auch die persönlichen haben ihre Berechtigung. Oft hört man jedoch, dass man sich bei einem Kaiserschnitt etwas „erspart“ – nämlich die anstrengende, schmerzhafte Geburt.

Nachdem ich nun einmal tagelang Wehen hatte (die eingeleiteten, die angeblich ja noch schmerzhafter sind, als die natürlichen), und somit zumindestens einen großen Teil einer Geburt mitgemacht habe, mit Blasensprung und allem drum und dran, und zusätzlich zweimal einen Kaiserschnitt hatte, wage ich folgendes zu behaupten: „einfacher“ ist ein Kaiserschnitt auf keinen Fall!!

Immerhin wird der Bauch aufgeschnitten, inkl. Muskelgewebe, Gebärmutter etc. – es handelt sich dabei um eine richtige Bauchoperation. Das Prozedere an sich ist schon nicht angenehm – durch die moderne Methode, bei der die Narbe relativ klein und weit unten ist, wird viel vom Gewebe nicht geschnitten, sondern gerissen. Es wird hin und her geruckelt und gezerrt, und man spürt das als Frau trotz Betäubung. Diese eliminiert nämlich nur den Schmerz und Kälte, nicht aber Berührung. Es fühlt sich also an, als würde man ausgeweidet. Anders kann ich das Gefühl gar nicht beschreiben. Von dem her war der Not-Kaiserschnitt eigentlich „angenehmer“, weil ich alles im Schock wie in Trance erlebt habe. Erst jetzt beim zweiten Mal konnte ich alles bewußt erleben, den OP ansehen, vor der PDA zittern, lustige Fotos beim Warten machen… :-)

Generell kann man sagen: man braucht länger, um sich von einem Kaiserschnitt zu erholen, als von einer natürlichen Geburt. Auch wenn es hier meist zu Geburtsverletzungen kommt, die schmerzhaft und langwierig sein können – es ist weniger Gewebe beschädigt, als durch den tiefen Schnitt im Bauch. Die Nachwehen sind nach einem Kaiserschnitt nochmal um einiges schlimmer – immerhin kontrahiert die Gebärmutter, welche zuvor aufgeschnitten und dann wieder zugenäht wurde. Auch der Gang zur Toilette ist nicht angenehm, da Blase und Darm mit der Gebärmutter im Bauch um Platz wetteifern und sich alles bewegt und somit schmerzt.

Bei mir kam beim zweiten Mal noch der Kreislauf hinzu – aus irgendeinem Grund hat der diesmal enorm lange gebraucht, sich wieder zu erholen. Dadurch musste ich länger im Bett liegen und war auf Hilfe angewiesen, was ich überhaupt nicht mag. Katheter, gewaschen werden, sich alles bringen lassen…

Das klingt jetzt alles sehr negativ, soll aber nur zeigen, dass die vermeintlich „einfachere“ Option auch kein Spaziergang ist. Wobei ich aber auch keine Angst schüren möchte unter jenen, für die ein Kaiserschnitt notwendig ist – ich war beide Male erstaunt, wie schnell ich mich eigentlich trotz dem Schnitt im Bauch wieder ganz gut bewegen konnte. Aber eben nur „ganz gut“.

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Stillen, Bindung und Gesundheit nach einem Kaiserschnitt

Davor hatte ich viel Angst – durch den Kaiserschnitt bedingt nicht stillen zu können, eine schlechter Bindung zu meinem Baby zu haben, und einen schlechteren Gesundheitszustand meines Kindes. Aber: auch nach einem Kaiserschnitt kann man Stillen, und die Bindung zum Kind kann sehr gut sein!!

In dem Krankenhaus in welchem ich entbunden habe, wird glücklicherweise viel Wert auf das sogenannte „Bonding“ auch nach dem Kaiserschnitt gelegt. So wurden mir beide meiner Kinder noch im OP Saal nackt auf den Oberkörper gelegt, ganz nah zum Herzen – ja, auch beim Not-Kaiserschnitt. Wie lange sie da gelegen sind kann ich gar nicht genau sagen, solange ich zugenäht wurde glaub ich. Danach kamen beide mit Papa zu den diversen Untersuchungen, während ich im Aufwachraum noch beobachtet wurde für 1h. Dann trafen wir uns alle wieder im Zimmer und das Bonding ging weiter – beide meiner Babies wussten genau was sie wollen: essen :-) Sie fanden auch die Brustwarze quasi von selbst und wussten genau was zu tun ist, eigentlich wie aus dem Lehrbuch – ich hab nix dazu gemacht, das Stillen hat immer toll funktioniert, weil ich meine Babies einfach machen ließ.

Auch bezüglich der Gesundheit der Kinder kann ich bisher keine negativen Folgen feststellen – eher im Gegenteil, Oliver ist so gut wie nie krank. Ich denke, so etwas kann man nicht pauschal auf die Art der Geburt zurückführen, genauso wenig wie man manche „Folgen“ nicht sicher den Impfungen zuordnen kann. Alles hat immer viele Faktoren und Ursachen, und auch natürlich geborene Kinder haben oft Bindungs-, Still- oder Gesundheitsprobleme.

Jede Geburt ist individuell

…ebenso wie das Schmerzempfinden jeder Frau! Man kann daher nicht pauschal sagen, welches der „einfachere“ Weg ist. Und das sollte auch nie ein Grund für solch eine Entscheidung sein (sofern man sie denn hat – manchmal wird sie einem ja ohnehin abgenommen).

Und: Man ist nicht weniger „Frau“, nur weil man nicht natürlich entbunden hat! Das zeigt schon die Narbe, die man ein Leben lang behält – tragt sie mit Stolz, nicht mit Scham!! Sie repräsentiert eure Babies, eure Kinder – ohne die Narbe wären sie nicht bei euch, nicht gesund. Es gab hierzu schon Aktionen wie diese hier, bei der viele Frauen ihre Kaiserschnittnarbe herzeigen – sehr cool!

Wie habt ihr die Geburt eurer Kinder empfunden? Noch andere Kaiserschnittmamas, die sich solche Gedanken machen? (Das ich nicht alleine bin, mit meinen Gedanken rund um diese Art der Geburt, zeigt die Fülle an Artikeln, die man darüber findet. Einen möchte ich euch besonders ans Herz legen, nämlich den von Jeannine.)

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann das genau so unterschreiben :-) ich wollte nie einen KS sondern am liebsten nur ambulant im Spital entbinden. Leider lag meine Tochter in Beckenendlage und machte keine Anstalten sich zu drehen. Im Spital hätte man mich auch natürlich entbinden lassen (das ok gab es nach MRT) aber ich war trotzdem hin- und hergerissen da es meine erste Geburt war und ich total Panik vor einem Not-KS hatte. Zwei Wochen vor Termin hatte ich dann nachts einen Blasensprung und entschied mich im Spital für einen KS, was ich nicht bereut habe. Meine Tochter war insgesamt größer und schwerer als nach den Schätzungen der Ärzte, vor allem ihr KU mit 36cm größer als geschätzt. Wir hatten nie Probleme mit dem Bonding oder dem Stillen, das hat alles wunderbar geklappt, ich hatte zwei Tage später den Milcheinschuss und stille jetzt nach über neun Monaten immer noch einmal am Tag. Sie ist ein sehr ausgeglichenes und fröhliches Baby, bis auf die normalen Bauchschmerzen in den ersten drei Monaten hat sie nie viel geschrieen, schlief schon mit knapp vier Monaten nachts durch, krank war sie bisher nie. Die OP aber fand ich auch nicht sehr angenehm, man bekommt halt doch alles mit auch wenn man nichts sieht, und die Schmerzen danach waren schon heftig. Ich bin zwar ein Tag später schon wieder gelaufen, mit zum Kinderarzt und selber auf die Toilette und zum Duschen, aber besser wurde es erst als mir meine Hebamme (dann schon zuhause) die Tackern entfernt hat. Es braucht halt einfach länger bis man sich erholt hat, ohne meinen Mann der vier Wochen Urlaub hatte, hätte ich nicht gewusst wie ich das am Anfang hätte schaffen sollen. LG Simone

  2. Hallo, liebe Uli :-)
    Mein Mann und ich sind beide selber spontane Kaiserschnittkinder und sind im Vergleich zu Altersgenossen wenig krank. Meine Mama wollte danach noch unbedingt eine natürliche Geburt erleben und durfte dies dann auch. Meine Geschwister sind auch nicht oft krank. Die Mutter von meinem Mann wollte danach keine natürliche Geburt mehr. Ich weiß den genauen Grund dafür aber nicht. Aber auch das zweite Kaiserschnittkind ist sehr gesund. – Ich persönlich würde das somit eher den Genen als der Geburt zu schreiben. ;-)

    Liebe Grüße,
    Kiira

  3. Ich hab eine eingeleitete natürliche Geburt hinter mir. Mit wehen von 0 auf 100 in wenigen Minuten nach der Medikamentengabe und beginnend im Abstand von 3 Minuten und danach nur noch in kürzeren Abständen… In zwei Std war das Kind da. Bei mir ist dabei leider so gut wie alles „da unten“ kaputt gegangen. Deswegen bin ich direkt nach der Geburt für einige Stunden in den OP gekommen. Mir gings monatelang nicht gut und ich konnte, bis auf stillen, mein Kind kaum versorgen. Und da es mir so mies ging war es nicht einfach anfangs. Aber auch bei uns hab ich das Gefühl das die Bindung sehr gut ist und ich stille nun schon gut ein Jahr. Vielleicht musste ich mehr dafür investieren, aber es ist möglich für jede Mutter meiner Meinung nach. Geburt ist anstrengend und schmerzhaft auf ihre Art. Und JEDE Mutter hat Resepekt dafür verdient, egal wie es gelaufen ist. Aber die Geburt ist nicht das Einzige was für die Bindung und ein erfolgreiches Stillen entscheidend ist. Mir tun die Mütter leid die nach der Geburt, welche nicht „idealtypisch“ gelaufen ist, erstmal denken sie hätten ne total miese Ausgangslage und könnten das nicht mehr wett machen.

  4. Ich hab eine vaginale Geburt und einen Kaiserschnitt gehabt und aus der Erfahrung sage ich, dass dieser Satz nicht stimmt:
    Generell kann man sagen: man braucht länger, um sich von einem Kaiserschnitt zu erholen, als von einer natürlichen Geburt.“ Beide Geburten waren übrigens gut so wie sie waren – selbstbestimmt und mitentscheidend.
    Bei der natürlichen Geburt gabs diverse Komplikationen. Am Ende standen ein hoher Blutverlust, ein langer großer Dammschnitt und ein Steißbruch. Es war eine gute Geburt, obwohl ich Monate gebraucht habe, mich körperlich davon zu erholen. Nach 6 Monaten war ich halbwegs wieder auf den Füssen, erst nach einem Jahr hatte ich das Gefühl, der Körper wäre wieder vollkommen meiner. Der entbindende Arzt sagte übrigens ganz klar, dass es eine logische Folge der niedrigen Kaiserschnittquote in dieser Klinik sei, dass es dafür mehr (andere) Geburtskomplikationen gäbe.

    Der Kaiserschnitt war einer, bei dem sehr darauf geachtet wurde, dass es gut ist – Baby kam sofort (noch vor jeglichem Wiegen und Waschen) zum Stillen zu mir; es wurde nicht „auf“geschnitten wo’s am bequemsten wäre, sondern dem Riss gefolgt. Ich war erheblich schneller wieder fit, mit Schmerzmitteln, aber nach 5 Wochen wieder total in Form.
    Insofern kannst du nicht pauschal sagen, man brauche länger sich von dem einen oder anderen zu erholen. Es hängt massiv vom Verlauf udn der Erfahrung der Mediziner ab, wie es läuft