Warum Zeit bei Kindern ein Allheilmittel ist

„Die Zeit heilt alle Wunden“ heißt es so schön – und seit ich ein Kind habe merke ich immer mehr, wie richtig dieser Spruch ist, und auf wie viele Lebensbereiche er sich anwenden lässt!

Es gab in meiner „Mamakarriere“ schon so viele Phasen, so viele Fragen, so viele Tränen – und was sich am Ende immer herausgestellt hat: alles löst sich irgendwie auf, wenn man nur etwas Zeit vergehen lässt. Die Koliken, gegen die nichts so wirklich hilft, hören von heute auf morgen auf. Auch das abendliche, vermeintlich grundlose Weinen – irgendwann einfach vorbei. Stillen im Halbe-Stundentakt geht auch vorbei, und wenn das Baby gerade nicht im Kinderwagen liegen, sondern lieber getragen werden möchte – auch das kann sich von heute auf morgen einfach wieder ändern. Und ich bin sicher, irgendwann wird er auch ganz alleine in seinem Bett einschlafen, ohne Mama oder Papa (und ich werde wahrscheinlich traurig sein, dass die Zeit vorbei ist in der er uns so viel brauchte).

baby kuschelt mit mama

So richtig aufgefallen ist mir dieser Umstand erst, durch unsere Tagesmuttergeschichte. Oliver war anfangs viel unterwegs mit uns, viele Leute haben ihn gehalten und er hat das gerne mitgemacht. Meine Mama hat auch stundenweise auf ihn aufgepasst nach ein paar Monaten, überhaupt kein Problem. Und plötzlich war das alles vorbei – er wollte nur Mama und/oder Papa, wenn wir aus dem Raum gingen hatte man das Gefühl seine Welt würde untergehen, so intensiv war sein weinen. Und ich sag das nicht nur als seine Mama, auch andere haben gesagt, so haben sie das noch nie gehört. Fast ein ganzes Jahr dauerte diese Phase – nur Mama und/oder Papa, wir konnten nichts alleine unternehmen, meine Mama konnte nicht auf ihn aufpassen, er war einfach extrem anhänglich. In diese Phase fiel auch die Eingewöhnung bei der Tagesmutter – der Platz war uns quasi in die Hände gefallen, wir hatten nicht einmal aktiv gesucht. Der Papa hat brav eine Woche durchgehalten, Kinder weinen nun mal bei der Eingewöhnung, richtig? Als ich dann an der Reihe war hab ich nach 2 Tagen aufgegeben – ein kurzes Gespräch mit der Tagesmutter, ob dieses intensive Weinen, das nicht aufhört, dieses herzzerreißende Weltuntergangsgeheul denn normal sei – und wir haben gemeinsam beschlossen, dass er einfach noch nicht soweit ist, manche Kinder brauchen länger, bzw. in manchen Phasen geht es einfach nicht.

Fast forward 4 Monate – in der Zwischenzeit waren wir öfter mit ihm gemeinsam bei der Tagesmutter, meine Mama hat er natürlich auch gesehen, und wir hatten das Gefühl es wird besser. Ein neuer Versuch wird gestartet, und siehe da: es ist nicht mal eine richtige Eingewöhnung nötig, es klappt einfach von heute auf morgen, und er geht gerne hin! Auch bei meiner Mama bleibt er plötzlich ganz ohne Probleme, winkt uns zum Abschied und weint bei ihr überhaupt nicht mehr. Alles was er brauchte war Zeit! (Die wir ihm glücklicherweise geben konnten.)

Vater und Sohn beim Käfer beobachten

Sie beobachten beide gerne Käfer ;-)

Auch bei Kleinigkeiten ist die Zeit unglaublich wichtig. Jeder Elternteil kennt das: wenn man es eilig hat wird es mit ziemlicher Sicherheit schwierig und endet in Tränen. Kinder möchten gerne entdecken, im Moment versinken – sie verstehen das Konzept der Zeit einfach noch nicht. Und das ist doch eigentlich schön, das ist etwas, das wir als Erwachsene oft vergebens wieder zu erlernen versuchen. So kann ein 10 Minuten Weg mit Kleinkind auch einmal eine Stunde dauern – da wird jedem Käfer zugeschaut, jedes Blatt umgedreht, die Müllautos beobachtet und jede Stufe hinauf gestiegen. Manchmal kann ich es auch gut mischen – also ich gebe ihm Zeit und „erlaube“ ihm, das zu machen was er gerade möchte, sage aber nach ein paar Minuten das wir jetzt weiter gehen, weil wir ja wohin müssen. Meist klappt das gut, er hatte ja seinen Willen und ist von Natur aus nicht unwillig zu kooperieren.

Wenn also irgendwie möglich: einfach etwas mehr Zeit einplanen, zum  herumtrödeln, zum entdecken, zum gewöhnen – man wird belohnt mit so viel Liebe, so vielen schönen Momenten und so viel mehr Achtsamkeit! Und wenn einmal eine Phase besonders schwierig ist: mit dem Wissen, dass sie mit Sicherheit irgendwann vorbei ist, lässt es sich leichter durchhalten!

Wie ist das bei euch so? Kennt ihr anderen Eltern das auch, mit der Zeit?

unterschrift

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Du hast so recht. Die Zeit muss man sich einfach nehmen – beim Spazierengehen, unterwegs – auch wenn man meint, eigentlich grad keine zu haben und dem Kind schon fünf mal „Beeil dich“ oder „Jetzt nicht“ oder „schauen wir uns später an“ gesagt hat. Was kann wichtiger sein, als der eine kleine Käfer, der genau jetzt am Rand des Gehwegs sitzt? Eben, nichts! :)