Kaiserschnitt – Meine Antworten auf häufig gestellte Fragen – FAQs

Nach 2 Kaiserschnitten hab ich nun schon einiges an Erfahrung mit dieser Operation. Nachdem ich immer wieder die selben Fragen gestellt bekomme, dachte ich, ich fasse meine Antworten hier übersichtlich zusammen. So können sich auch werdende Mamis, die den Eingriff noch vor sich haben, informieren. Vielleicht kann ich so der ein oder anderen offene Fragen beantworten und die Angst vor dem Eingriff nehmen. (Über meine Zweifel nach den Eingriffen, und warum ein Kaiserschnitt meiner Meinung nach nicht weniger Geburt ist als eine Spontangeburt, könnt ihr hier nachlesen.)

Wie wird entschieden, ob ich mein Kind per Kaiserschnitt oder auf normalem Weg zur Welt bringe?

Für einen Kaiserschnitt gibt es manchmal medizinische Gründe – zum Beispiel wenn das Kind schlecht liegt, eine Plazenta praevia (bei der die Plazenta über dem Muttermund liegt) vorliegt uvm. In so einem Fall wird der Arzt der werdenden Mutter zu einem Kaiserschnitt raten und sie hat oft keine Wahl. Liegt kein medizinischer Grund vor, wird normalerweise eine Spontangeburt angestrebt – außer die Mutter möchte ausdrücklich einen Kaiserschnitt, dann kann sie das auch selbst entscheiden. (Wobei nicht alle Krankenhäuser geplante Kaiserschnitte ohne medizinischen Grund durchführen.)

Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP Saal?

Im Normalfall ja. Sogar bei meinem ersten Kaiserschnitt, der ja aus einer Notsituation heraus gemacht wurde, durfte mein Mann mit hinein. Er sitzt dabei am Kopfende und steht der Frau bei – das ist auch bei einer „Bauchgeburt“ sehr hilfreich. Der Blick zum Operationsbereich ist durch ein Tuch abgeschirmt, er sieht also nichts was im Bauchbereich passiert.

Bin ich während eines Kaiserschnitts unter Vollnarkose und verpasse die Geburt meines Kindes?

Nein, nicht zwangsläufig! Wird ein Kaiserschnitt geplant, erfolgt die Betäubung mittels Kreuzstich/PDA, das heißt, man ist bei vollem Bewußtsein und erlebt so die Bauchgeburt seines Kindes mit!

Bei einem Notkaiserschnitt ist die Zeit allerdings oft knapp und diese Art der Betäubung ist nicht immer möglich. In so einem Fall erfolgt eine Vollnarkose und man sieht sein Kind erst nach der Aufwachphase. (Notkaiserschnitt heißt jedoch nicht automatisch Vollnarkose. Ich hatte ein paar Stunden zuvor nach tagelangen Wehen schon eine PDA bekommen, hier wurde dann vor dem Notkaiserschnitt nur noch einmal nachdosiert und so konnte ich auch die Geburt meines ersten Sohnes „wach“ miterleben.)

Hier kommt es also wirklich auf die Situation an, alles ist möglich.

Was kann ich tun, damit das Stillen nach dem Kaiserschnitt klappt?

Das sogenannte Bonding ist nach jeder Geburt wichtig – Mutter und Kind müssen eine Beziehung zueinander aufbauen, und je schneller das nach der Geburt erfolgt, desto besser ist die Beziehung (angeblich) auch später. Und desto besser klappt es auch mit dem Stillen. Heutzutage wird auf das Bonding viel Wert gelegt, in guten Krankenhäusern wird auch nach einem Kaiserschnitt darauf geachtet. Meine Babies wurden mir beide noch im OP Saal auf die Brust gelegt, wir hatten viel Zeit gemeinsam. Meine Babies hatten auch beide einen starken Saugreflex und haben sofort die Brustwarzen gesucht – das Stillen hat also problemlos funktioniert.

Mein Tipp: ich habe nie darauf gehört, meine Kinder eine vorgegebene Zeit lang trinken zu lassen oder in einem bestimmten Rhythmus anzulegen. Ich hab sie einfach nuckeln lassen so lange und so oft sie wollten, habe sie auch an der Brust einschlafen lassen (auch wenn das nach 2 Minuten war). Meiner Meinung nach verhungert kein Baby freiwillig, wenn es Hunger hat wird es sich schon melden (ausgenommen Frühgeburten oder kranke Babies!). Ich habe auf die Instinkte meiner Babies vertraut, und es gab nie Probleme!

Ist ein Kaiserschnitt weniger schmerzhaft als eine natürliche Geburt?

Nein. Die Schmerzen verschieben sich nur. Beim Eingriff selbst hat man keine Schmerzen (man spürt ihn, aber nicht schmerzhaft, ich habe das schon hier beschrieben), allerdings danach. Die ersten Tage sind wirklich schlimm, jede Bewegung schmerzt, der Bauch ist einfach immer irgendwie involviert. Danach wird es leichter, aber ein paar Wochen muss man schon mit Beeinträchtigungen rechnen. Insgesamt würde ich also sagen, dass der Kaiserschnitt sogar schmerzhafter sein kann (je nach individuellem Schmerzempfinden).

Schützt ein Kaiserschnitt vor Beckenbodenschwäche?

Auch hier leider nein. Der Beckenboden wird schon in der Schwangerschaft stark gefordert, daran ändert auch die Art der Geburt nichts. Die paar Stunden einer natürlichen Geburt fallen hier nicht ins Gewicht, der Beckenboden sollte also idealerweise schon vor und während der Schwangerschaft trainiert werden. Auch nach der Geburt (egal wie diese statt gefunden hat) sollte das Training wieder aufgenommen werden.

Wie lange brauche ich, um mich von einem Kaiserschnitt zu erholen?

Das ist sehr individuell. Bei meinem ersten Kaiserschnitt bin ich am nächsten Tag schon am Krankenhausflur herumspaziert (wenn auch mit Schmerzen). Beim zweiten konnte ich 3 Tage lang nicht aus dem Bett aufstehen, ohne in Ohnmacht zu fallen, mein Kreislauf war einfach zu schwach. Dafür ging es mir beide Male nach ungefähr 2-3 Wochen schon wieder sehr gut und ich konnte alles machen. Ich habe aber schon öfter gehört, dass es vielen Frauen länger schlechter geht, das ist also auch wieder sehr vom Schmerzempfinden der Frau abhängig.

Kann ich mich nach einem Kaiserschnitt gut um mein Kind kümmern?

Ja! Das Stillen klappt auch liegend im Bett wunderbar, und man kann auch im Krankenhausbett die Windeln des Babies wechseln, wenn man das möchte. Ich hatte meine Babies immer bei mir im Bett, und konnte sie gut versorgen.

Daheim klappt das dann auch sehr gut. Man darf das Baby heben (aber nichts, das schwerer ist!), beim ersten Kind ist das also kein Problem. Beim zweiten dann schon eher, wobei ich meinem Zweijährigen ganz gut erklären konnte, warum ich ihn nicht heben darf. Er hat meine Wunde und später Narbe immer sehen wollen, wir haben sehr viel und oft darüber gesprochen. Verstanden hat er es vermutlich nur bedingt, aber er hat akzeptiert, dass ich ihn nicht tragen oder heben kann. Erst nach ungefähr 7 Wochen habe ich ihn in einer Notsituation (er ist in der bremsenden Straßenbahn gestürzt) gehoben, zusätzlich zum Baby im Tragetuch – ohne Schmerzen, und ich habe den Beckenboden aktiv angespannt. Seitdem möchte er wieder öfter gehoben oder getragen werden, ich versuche das aber sehr zu limitieren.

Wie schnell kann ich nach einem Kaiserschnitt wieder mit Sport beginnen?

Sport sollte nach jeder Geburt ganz vorsichtig angegangen werden. Am wichtigsten ist, dass sich der Körper wieder gut erholt und vor allem der Beckenboden gut trainiert wird. Erst wenn der Beckenboden wieder halbwegs gekräftigt ist, sollte mit anstrengenderem Sport begonnen werden.

Rückbildungsgymnastik und Beckenbodentraining können nach einer natürlichen Geburt sehr bald wieder aufgenommen werden. Nach einem Kaiserschnitt sollte man jedoch einige Wochen warten, je nach sportlicher Verfassung vor der Schwangerschaft. Am besten immer mit dem Gynäkologen und/oder eine Hebamme besprechen, ab wann mit Sport begonnen werden kann.

Habt ihr noch weitere Fragen? Ich füge sie mit meiner Antwort hier gerne doch dazu. Oder stimmt ihr in einer Antwort nicht mit mir überein? Ich freue mich über weitere Erfahrungen in den Kommentaren.

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